Annemarie Lindner

 

Annemarie Lindner

- die Grande Dame der Naturkosmetik

- ein Vorbild für unsere Schule

 

Mit großer Anteilnahme haben wir zur Kenntnis genommen,
dass unsere Namenspatronin, Annemarie Lindner, im Alter
von 95 Jahren verstorben ist.

Wir trauern mit Ihrer Familie.

Schulleitung, Kollegium,
Schülerinnen und Schüler der Annemarie-Lindner-Schule

Bericht im Schwarzwälder Bote vom 23.02.2016

 

 

Schüler/Innen und Lehrerkräfte wählten Annemarie Lindner aufgrund ihrer beeindruckenden Lebensleistung und ihrer großen Vorbildwirkung als Namenspatronin.

Ihre Lebenschancen wurden ihr nicht in die Wiege gelegt. Schon eine gymnasiale Schulausbildung war ihr trotz bescheinigter Begabung nicht vergönnt. Einige Umwege waren nötig, bis sie bei ihrer eigentlichen Bestimmung angekommen war. So begann sie eine Lehre im technischen Bereich, im Buchdruck. Später sicherte sie ihren Lebensunterhalt durch kaufmännische Tätigkeiten. Sie war 19 Jahre alt, als der 2. Weltkrieg ausbrach und sie somit auch ihrer Jugend beraubt wurde. Sie kennt Angst um das nackte Leben, kennt Hunger und Entbehrung, Ausbombung und Wiederaufbau.

Tüchtig wie sie war, nutzte sie die schicksalhaften Chancen, die auch in jener Zeit gegeben waren. Erzählt sie von ihrem Leben, das geprägt war von der deutschen Nachkriegs-geschichte, wiederholt sie immer wieder die Worte: „Nicht wahr, ich bin doch ein Glückskind gewesen.“

Junge Menschen kennen die Erfahrung, mit dem eigenen Aussehen nicht zufrieden zu sein. Frau Lindners Biografie zeigt, dass man nicht resignieren darf, sondern aus jeder Not eine Tugend machen kann.
Da sie selbst als junge Frau in extremem Maße an Akne litt, wurde sie notgedrungen zur Fachfrau für Naturkosmetik.

Helfendes Wissen soll man nicht für sich behalten, sondern mit anderen teilen. Dies tat und tut sie unermüdlich im Sinne aktiver Nächstenliebe. Wer ihr begegnet, erhält von ihr auch heute noch sofort Rat und Tat.

Beeindruckend sind ihre Fähigkeiten, trotz politisch belastender Verhältnisse den moralisch richtigen Weg zu gehen. Überleben im Nazi-Regime, Auseinandersetzung mit der sowjetischen Besatzungsmacht, Widerstand und Flucht aus der Deutschen Demokratischen Republik zeigen, welche Kraft erforderlich war, um unbeirrt ihren eigenen Weg zu gehen.

Weitere vorbildhafte Charaktereigenschaften sind ihre Disziplin, ihre Beharrlichkeit und ihre Flexibilität. Diese Fähigkeiten waren ihr Schlüssel zum Erfolg, als sie zusammen mit ihrem Mann ein Unternehmen im Westen des Nachkriegsdeutschland in der Nähe von Calw aufbaute.

Diese charismatische Visionärin erhielt große internationale Anerkennung:

2005 wurde ihr in New York der „Natural Legacy Award“ verliehen

2009 erhielt sie die Auszeichnung „Beautyworld-Cup“

2010 überreichte ihr der Ministerpräsident Stefan Mappus den Verdienstorden, die höchste Auszeichnung des Landes Baden-Württemberg.


Besonders erwähnenswert sind auch die vielfältigen sozialen Engagements ihres Unternehmens:

Mit dem Schlagwort „Rosen statt Opium“ wurde im Südiran 600 Bauern eine Existenzgrundlage ermöglicht. Rosen anstatt Mohn zu züchten, um daraus Rosenöl zu gewinnen, war eine wunderbare Alternative. Weiterhin unterstützt das Unternehmen in der dortigen Region zwei Waisenhäuser und eine Behinderteneinrichtung.

Zwei weitere Projekte unter dem Schlagwort „Fair Trade“ bieten für Hunderte von Dörfern im Amazonasgebiet und in Kolumbien eine Lebensgrundlage, indem sie für die Ernte ihrer biologisch angebauten Früchte von ihrem Unternehmen eine garantierte Abnahme erhalten.

Dieses vorbildliche soziale Engagement zeigt sich noch in vielerlei Hinsicht, u.a. bei der Unterstützung der Organisation „Ärzte für die Dritte Welt“.

Aber nicht nur in Wirtschaftskreisen erkennen wir in Annemarie Lindner eine herausragende Persönlichkeit. Ein modernes Frauenbild zeigt sie vor allem auch in ihrer Familie. In schweren Notzeiten heiratete sie Walter Lindner, einen Witwer mit zwei Söhnen, denen sie eine liebevolle Stiefmutter und Freundin wurde. Die Geburt eines dritten, gemeinsamen Sohnes machte die moderne Patchwork-Familie komplett. Heute erfreut sie sich an ihren Enkeln, die ihre Großmutter sehr wertschätzen.

Als Annemarie Lindner am 11. Januar 2010 mit einer großen Feier als Namenspatronin unserer Schule eingesetzt wurde, bewies sie, dass sie Jung und Alt durch ihr freundliches, kommunikatives und humorvolles Wesen beeindrucken kann.

 

Text: Birgid Veygel

 

 

 

Annemarie-Lindner-Schule Nagold,
Max-Eyth-Straße 23, 72202 Nagold, Tel. 07452 8378-312